Nach jeder Operation bleiben Narben zurück, die sich auch bei aller Vorsicht nicht vermeiden lassen. Mit einer guten und konsequenten Narbenpflege können Sie jedoch das spätere Erscheinungsbild der Narben positiv beeinflussen und Beschwerden wie Juckreiz und Spannungsgefühlen vorbeugen. Aber wie sieht die richtige Pflege aus?
Für mich als Facharzt für plastische und ästhetische Chirurgie ist die Narbenpflege Teil eines jeden operativen Eingriffs und wichtig für ein ästhetisches Ergebnis. Im Folgenden möchte ich Ihnen erklären, wie Sie die Regeneration des Gewebes mit Salben und Massagen unterstützen, wann Sie am besten damit beginnen und welche Möglichkeiten es gibt, auch nicht gut verheilte Narben zu optimieren.
Wie eine Narbe entsteht und warum die ersten Monate zählen
Wird die Haut etwa durch einen Schnitt während einer Operation durchtrennt, bildet der Körper an dieser Stelle Ersatzgewebe, um die Verletzung wieder zu verschließen. Dieses Narbengewebe besteht allerdings aus Bindegewebe, daher fehlen ihm im Gegensatz zu der normalen Haut Merkmale wie Gefäße, Schweißdrüsen, Pigmentzellen und Haare.
Der Heilungsprozess läuft in drei Phasen ab. In den ersten ein bis drei Wochen reinigt und verschließt sich die Wunde, danach entsteht in der sogenannten Granulationsphase oder auch Proliferationsphase über einige Wochen bis Monate neues Gewebe, das den Defekt auffüllt. Die frische Narbe ist in dieser Phase oft noch stark gerötet und hebt sich dadurch deutlich von der umliegenden Haut ab. Zuletzt folgt die Umbauphase oder auch Differenzierungsphase, bei der die kollagenen Fasern ausreifen.
Bis zur vollständigen Ausreifung können ein bis zwei Jahre vergehen. Für das spätere Erscheinungsbild sind jedoch die ersten Wochen und Monate entscheidend. Während dieser Zeit wirkt die Narbe vielleicht oberflächlich stabil, ist es aber noch nicht. Zu frühe und zu starke mechanische Belastung kann das noch fragile Faserkonstrukt leicht beschädigen. Die Folge ist dann oft eine breite oder wulstige Narbe. Um eine blasse und weiche Narbe auf Hautniveau zu erreichen, ist die richtige Narbenpflege wichtig.
Was versteht man unter Narbenpflege und worauf zielt sie ab?
Mit der Narbenpflege lässt sich das spätere Erscheinungsbild von Narben beeinflussen und auch, wie beweglich diese nach dem vollständigen Ausreifen ist. Sie trägt zudem dazu bei, Begleiterscheinungen wie Juckreiz und Schmerzen zu lindern. Was eine gute Narbenpflege alles umfasst, hängt von einigen Faktoren wie der Lage und Größe der Narben ab, etwa ob es sich um relativ kleine Narbe nach einem Facelift oder eine größere Narbe nach einer Bauchdeckenstraffung handelt.
In den meisten Fällen umfasst die Narbenpflege die Anwendung von speziellen Cremes, Gelen, Pflastern und Verbänden bzw. Kompression. Letztere spielt zum Beispiel bei sehr großen Narben eine wichtige Rolle. Auch gezielte Massagen, das konsequente Auftragen eines Sonnenschutzes in Form von Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor und spezielle Behandlungen wie Microneedling können die Narbenheilung unterstützen und so für eine flache und kaum auffällige Narbe sorgen.
Gute Narbenpflege kann:
- die Narbenheilung beschleunigen
- die Beweglichkeit der Narbe verbessern
- Schmerzen, Juckreiz und Spannungsgefühl lindern
- Narben elastischer und weniger sichtbar machen
- Komplikationen wie Infektionen verhindern
Wie sieht eine gute Narbenpflege aus?
Das Wichtigste ist Geduld. Narben brauchen Zeit, um zu heilen und zu verblassen. Die von mir im Folgenden empfohlenen Tipps helfen dabei, können aber auch keine Wundheilung bewirken und über Nacht aus einer noch recht frischen und geröteten Narbe eine unsichtbare Narbe machen. Es ist auch ganz normal, dass eine frisch genähte Wunde unscheinbarer wirkt als die durch das Abheilen gerötete und dicke Narbe danach. Das ist keine Verschlechterung und bedarf auch keiner Narbenkorrektur.
Rauchverzicht
Tatsächlich können Sie schon vor einer OP die Weichen für eine gute Narbenentwicklung stellen, indem Sie mehrere Wochen vorher auf Nikotin verzichten. Das verbessert die Sauerstoffversorgung und senkt das Risiko für das Auftreten einer Wundheilungsstörung, die wiederum die Narbenbildung beeinflusst.
Narbenmassage
Der Körper möchte Wunden so schnell wie möglich verschließen und lässt deshalb ungeordnet Kollagen hinein. Dabei kann sich ein festes, verklebtes Netz bilden. Mit regelmäßigen Massagen (erst nach dem vollständigen Wundverschluss) können Sie das Gewebe lockern. Das Kneten regt den Stoffwechsel an, fördert die Durchblutung und macht die Haut weicher. Als Nebeneffekt lassen Spannungsgefühle nach.
Sie können die Narbe ruhig kräftig kneten. Nehmen Sie sie zum Beispiel zwischen Daumen und Zeigefinger und rollen Sie sie hin und her. Immer für ein paar Minuten und mehrmals täglich. Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen auch gerne zeigen, wie Sie bei Ihrer speziellen Narbe am besten vorgehen. Kombinieren können Sie die Narbenmassage mit Cremes und Salben.
Cremes, Salben und Pflaster
Durch das Auftragen pflegender Produkte wie Silikon (als Narbengel), Narbensalben (z. B. mit Allantoin) oder spezieller Narbenpflaster aus der Apotheke lässt sich das Gewebe gut vor dem Austrocknen schützen und auf Dauer geschmeidig halten. Ziel ist es, akute Rötungen und Juckreiz zu lindern, aber auch Verhärtungen vorzubeugen. Die Daten aus verschiedenen Studien zeigen, dass sich positive Effekte auf die spätere Dicke und Farbe der Narbe ergeben. Für eine Wirkung ist allerdings viel Durchhaltevermögen gefragt. Am besten cremen Sie täglich mehrmals und das über Monate hinweg.
Sonnenschutz
Die Haut schützt sich vor UV-Strahlung, indem sie in den Melanozyten Farbpigmente (Melanin) bildet. Narbengewebe kann das jedoch nicht. Da das Melanin fehlt, ist das Risiko für Sonnenbrand und die Entstehung von Hautkrebs extrem erhöht. Am Narbenrand kann es auch zu einer Hyperpigmentierung (dauerhaften Verfärbung) kommen, sodass sich die Narbe später von der umliegenden Haut abhebt. Verhindern lässt sich das durch Auftragen von Sonnencreme (LSF 50+) oder langer Kleidung.
Kompressionstherapie
Nach körperformenden Eingriffen wie einer Bauchdeckenstraffung kommt als Unterstützung die Kompression zum Einsatz. Durch den gleichmäßigen und großflächigen Druck bleibt die Narbe weicher und flexibler, schießt nicht über und ist später flexibler, sodass Bewegungseinschränkungen nur selten auftreten. Hierfür ist es wichtig, die Kompression konsequent zu tragen, in der Regel rund um die Uhr.
Gut zu wissen: Sie können auch zu Hausmitteln greifen, wie zum Beispiel Olivenöl oder Nelkenöl. Auch Aloe Vera und Salben mit Zwiebelextrakt können manchmal unterstützend helfen. Auf Essig und ähnliche reizende Stoffe sowie unbekannte Salben aus dem Internet sollten Sie jedoch verzichten.
Der häufigste Fehler bei der Narbenpflege: Zu früh und zu viel
Nach einem Eingriff möchten viele sofort etwas tun, um die Narbenbildung möglichst positiv zu beeinflussen. Das ist verständlich, allerdings kann genau das die Wundheilung beeinträchtigen und zu unerwünschten Ergebnissen führen. Deshalb rate ich meinen Patientinnen und Patienten generell dazu, keine Pflegeprodukte auf noch nicht verheilte bzw. noch nässende Wunden aufzutragen.
Ich empfehle mit der Narbenpflege erst zu beginnen, wenn die Wunde vollständig verschlossen ist und es keinen Wundschorf oder nässende Stellen mehr gibt und auch keine Entzündungszeichen mehr vorhanden sind. Nach einer OP ist das meist um den Zeitpunkt des Fadenzugs herum erreicht. Bis dahin ist gegebenenfalls eine einfache, geschmeidig haltende Basispflege ausreichend.
Was, wenn die Narbe doch nicht wie erhofft abheilt?
Der überwiegende Teil der Narben nach OPs heilt bei guter Narbenpflege völlig problemlos ab, verblasst immer weiter und bereitet keine Probleme. Manchmal kommt es jedoch durch Veranlagung oder Fehler bei der Pflege zu einem Überschiessen von Gewebe, was in der Medizin als hypertrophe Narbe (dicke und erhabene Narbe) oder Keloid (Gewebe-Wucherung über die Wunde hinaus) bezeichnet wird.
Das Gute ist, dass es in solchen Fällen Therapiemöglichkeiten gibt. Die Aussage, man könne an Narben nach einer gewissen Zeit nichts mehr tun, ist falsch. Es gibt immer Möglichkeiten, eine unschöne Narbe durch Glättung oder Injektion bestimmter Wirkstoffe zu verbessern. Bewährt haben sich:
- Kortison-Injektion: bremst das überschießende Gewebewachstum
- Laserbehandlung: mildert Verhärtungen und glättet Unebenheiten
- Kältebehandlungen(Kryotherapie): vereist das Narbengewebe
In einigen Fällen lässt sich auch mit einer Kompressionstherapie eine Verbesserung erzielen. Manchmal hilft aber auch nur eine operative Korrektur. In meiner Praxis für plastische und ästhetische Chirurgie in Frankfurt setze ich diese ein, um etwa bei sehr wulstigen Narben eine Reduktion zu erreichen oder Narben neu anzulegen und Spannung rauszunehmen.
Wenn Sie eine Narbe haben (nach einer OP oder auch große Akne Narben), die nicht wie gewünscht verheilt ist oder Ihnen Probleme bereitet, können Sie gerne einen Termin für ein unverbindliches Beratungsgespräch vereinbaren. Rufen Sie dazu einfach an oder nutzen Sie die Online-Buchung.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Thema Narbenpflege
- Ab wann darf ich mit der Narbenpflege beginnen?
Sobald die Wunde vollständig geschlossen ist und keine Krusten oder Entzündungszeichen mehr zeigt. Meist ist das um den Fadenzug herum der Fall. Ich informiere Sie aber auch gerne bei den Nachkontrollen in meiner Praxis, wann der optimale Zeitpunkt für den Beginn der Pflege erreicht ist.
- Können Narben durch gute Pflege vollständig verschwinden?
Nein, auch bei konsequenter Pflege und guter Heilung verschwinden Narben nie vollständig. Sie können durch die richtige Behandlung aber deutlich unauffälliger werden. Ziel sollte immer sein, eine möglichst weiche, flache und farblich an die umliegende Haut angepasste Narbe zu erreichen.
- Meine Narbe hat sich verändert. Muss ich etwas unternehmen?
Manchmal kommt es im Verlauf der Narbenreifung zu Juckreiz, einem Brennen, einer zunehmenden Rötung oder einer Vermehrung und/oder Verhärtung des Narbengewebes. Eine mögliche Ursache ist eine überschießendes Narbengewebsbildung (hypertrophe Narbe oder Keloid). Sollten Sie so etwas bei sich feststellen, melden Sie sich bitte in meiner Praxis. Oft ist dann eine spezielle Behandlung notwendig.
- Wie lange dauert es, bis die Narbe nach einer OP verblasst?
Das lässt sich nicht pauschal sagen und hängt stark von der Position der Narbe und der Pflege ab. Der Heilungsprozess dauert etwa 6 bis 12 Monate, bei manchen Menschen kann er sich aber auch bis zu zwei Jahre hinziehen. Danach ist das endgültige Ergebnis sichtbar. Sollte die Narbe nach dieser Zeit noch auffällig gerötet oder wulstig sein, kann manchmal eine Narbenbehandlung Besserung bringen.
